Culture Care – Pflege der Kulturen

 

Endlich war es soweit.

Das neue Gartenjahr 2016 startete.Künstler aus Berlin und vier neue Nachbarn aus Syrien und Afghanistan standen im April auf dem Stein-Häger-Hof und säten Gemüsesamen aus. Wir hatten gemeinsam ein interkulturelles Gartenprojekt gestartet.

Sechs Monate später ist die Zahl der Teilnehmer gestiegen und alle lachen zusammen beim gemeinsamen Essen der selbst angebauten Kürbisse.

„Gärtnern bringt Menschen zusammen – und es gibt leckeren Apfelkuchen.“

Die Treffen von Culture Care – Pflege der Kulturen waren ein voller Erfolg. Neben dem interkulturellen Austausch verschiedener Herkünfte geht es um die Pflege unseres Bodens und ökologisch angebaute Lebensmittel.

Wie wir durch unser interkulturelles Gartenprojekt Gemüsekulturen und vielfältige Lebensstile pflegen erzählen wir jetzt.

Wie wir verschiedene Kulturen zusammenbringen

Die Treffen mit dem Charme eines Gartenfestes sind für Berliner und Uckermärker ein willkommener Anlass, um mit neuen Nachbarn aus Syrien und Afghanistan in den Austausch zu kommen. Über das gemeinsame Gärtnern, Kochen und Feiern werden Kontakte mit neuen Bewohnern der Uckermark und Berlins geknüpft. Wir erleichtern so das Ankommen in einer fremden Kultur.

Besonders schön ist es zu sehen, wie aus Fremden Freunde werden. Bei den ersten Treffen wurde sich viel auf Englisch ausgetauscht und einige Arbeitsschritte konnten nur durch Pantomime dargestellt werden. Über die Gartensaison hinweg wird immer mehr und besseres Deutsch gesprochen. Auch die Berliner und Uckermärker lernen zwischen den Gemüsereihen ihre ersten Worte Arabisch. Durch die gemeinsame Arbeit im Gemüsebeet und unserer Sommerküche werden Sprachbarrieren überwunden. Ein besonderes Highlight jeder Veranstaltung ist das gemeinsame Essen: immer bunt gemixt, traditionelle Rezepte aus allen Kulturen werden mit dem was gerade reif ist ergänzt und geben ein besonderes arabisch-deutsches Buffet. Unsere Sommerküche mit Veranda bietet hierbei Platz für den gemeinsamen Aufenthalt, dem Kochen und dem Schutz vor Wetterextremen. Bei allen Aktivitäten steht vor allem eines im Vordergrund: ein wunderschöner Tag auf dem Stein-Häger-Hof und Spaß durch gemeinschaftlichen Austausch.

Wie wir Gemüsekulturen pflegen

Wir gärtnern ökologisch und nach dem Vorbild der Natur im Sinne der Permakultur. Die drei ethischen Prinzipien werden zum Leitbild der Veranstaltungen. Konkret für unser interkulturelles Gartenprojekt heißt das folgendes:

  • Earth Care:

    Durch ökologisches Gärtnern bauen wir leckere, regionale Nahrungsmittel an. Das unterstützt unser lokales und globales Klima durch Bodenaufbau, Baumpflanzungen und kurze Transportwege. Die Artenvielfalt in der Pflanzen und Tierwelt wird durch den kleinbäuerlichen Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern gestärkt. Unser Arbeitspferd Bente unterstützt den Gemüseanbau nachhaltig.

  • People Care:

    Das Gartenprojekt findet gemeinschaftlich statt. Städter und Landbewohner kommen zusammen. Menschen verschiedener Kulturen kommen über den gemeinsamen Gemüseanbau in den Austausch. Ganz nebenbei werden Deutschkenntnisse erlangt und Geflüchtete haben die Chance ihre bisherigen Sprachkenntnisse anzuwenden. Für die Uckermärker ist es die Chance die ersten Worte auf z.B. Arabisch oder Somali zu lernen. Das gemeinsame Sprachenlernen haben wir als sehr fröhliche und heitere Angelegenheit bei unseren Treffen schätzen gelernt.

  • Fair share:

    Durch die gemeinsame Subsitenzarbeit arbeiten wir an einer zukunftsfähigen Kultur. Handwerkliche Fähigkeiten im gärtnerischen Bereich und darüber hinaus (z.B. Saatguterhalt und Veredelung von Obstgehölzen, Holzverarbeitung und der Gemüseanbau mit Pferden) werden gepflegt und praktiziert. Das gemeinsame Tun trägt zu einer hohen Lebensqualität bei, die weniger Ressourcen und Energie verbraucht als die momentan konventionelle Landwirtschaft und Konsumkultur.

 

Auf dem Stein-Häger-Hof in Gerswalde bauen wir auf einem degradierten Boden den Oberboden auf. Der benötigte Dünger generiert sich aus hofeigener Kompostwirtschaft. So entstehen hier in der Uckermark vielfältige gärtnerische Flächen mit einer hohen Artenvielfalt, die die erfolgreiche Ernte von Gemüse, Obst, Kartoffeln und Kräutern ermöglichen.

Laura

Laura

" Mein schönstes Culture Care Erlebnis war der Ausbruch unserer Schweinedamen Antonia und Anita. Aus religiösen Gründen wollten einige Erwachsenen keinen Kontakt mit den Schweinen haben. So rannten über den Hof zuerst glückliche Schweine, gefolgt von allen Kinder, die fröhlich juchzten. Den Kindern folgten die Mütter und riefen auf arabisch wahrscheinlich so etwas wie „Fasst die Schweine nicht an!“ hinterher... und ich lief den Schweinen hinterher, um sie so schnell wie möglich wieder einzufangen (was durch Hilfe einiger Erwachsener auch mühelos klappte). Immer wenn ich an diese gemeinsame Verfolgung der vor Glück springenden Schweine denke, bekomme ich das gleiche Strahlen ins Gesicht wie an dem Tag. Alle Beteiligten konnten erst darüber lachen, als die Schweine wieder in ihrem Gehege waren. 🙂 "

Saskia

Saskia

"Ich war hin und weg vom gemeinsamen Bäume und Sträucher pflanzen mit dem bunt gewürfelten Haufen aus engagierten, fröhlichen Menschen verschiedenster Herkunft. Zunächst gab es eine kleine Ansprache und Erklärungen zum heutigen Vorgehen seitens der Veranstalter und man beobachtete sich freundlich. Dazu konnte man sich bei Tee und selbstgemachten Köstlichkeiten für die kommende Arbeit stärken. Als es dann aufs Feld ging, entwickelte sich trotz der Herausforderung der Verständigung ein starkes Gemeinschaftsgefühl und ein Verständnis für die gemeinsame Aufgabe. Für mich war es besonders schön, das Glück über eine so schöne und wichtige Aufgabe, wie das Pflanzen von Bäumen, mit so vielen Menschen zu teilen. Ich bin gespannt darauf, zu sehen, wie der nun angelegte Waldgarten wachsen wird und komme bestimmt gerne wieder vorbei."

Fazit

Durch die wiederkehrenden Gemeinsamkeiten der Treffen wurde Culture Care zu einem erfolgreichen Projekt vom Verein zukunftsFähig e.V. Das interkulturelle Gartenprojekt setzt vor allem auf gemeinschaftliches essen und feiern, gemeinsamen säen und ernten.

Das Gartenjahr 2016 wurde neben anderen durch die Stiftung anstiftung mit 2000,00 € Spende für Sachmittel unterstützt. Dies ermöglichte den Gärtnern einen guten finanziellen Start im Gemüseanbau.

Durch den großen Erfolg und den Spaß soll auch für nächste Gartenjahre das gemeinsame und interkulturelle Gärtnern stattfinden. Die nächsten Termine erfahrt ihr auf dieser Seite.

Ihr habt Lust auf die Teilnahme bekommen? Nehmt Kontakt zu uns auf, wir freuen uns auf Zuwachs.