Apfel. Birne. Pflaume. – Obstsortenerhalt in Gerswalde

 

Als Johanna 2007 nach Gerswalde zog, war ihr die Geschichte der alten Schlossgärtnerei bereits bekannt. Zu Zeiten der gärtnerischen Nutzung war die Schlossgärtnerei in der gesamten Region für ihr Obst bekannt. Für die Produkte aus der Schlossgärtnerei standen die Menschen Schlange auf der Straße. Warum war das Obst so bekannt? Sind hier seltene und alte Sorten zu finden? Oder sogar lokale Sorten?

Direkt neben der alten Gärtnerei ist die Wasserburg und das Schloss Gerswalde zu finden. Hier gibt es ein Arboretum mit (für diese Region exotischen) Bäumen wie zum Beispiel Ginko. Johanna hoffte auf einen Zusammenhang. Vielleicht wurden auch in der Schlossgärtnerei alte Obstsorten gesammelt.

Dann kam Annegret dazu.

Annegret wollte in der Region eine Obstbaumschule aufbauen. Sie führte Johannas Gedanken weiter: nicht nur in der Schlossgärtnerei die lokalen Sorten zu bestimmen und zu erhalten, sondern in der gesamten Region um Gerswalde. Als Obstgehölzpflegerin sind ihr die alten und zum Teil vernachlässigten Obstalleen um Gerswalde sofort aufgefallen.

Zusammen wurde daraus das Projekt Apfel. Birne. Pflaume. von zukunftsFähig. Das Ziel ist der Obstsortenerhalt in der Umgebung. Erreicht wird er durch die Sortenbestimmung und Kartierung regionaler und seltener Obstsorten, die Gehölzpflege und das anlegen einer Baumschule für alte Obstorten.

Die wichtigsten 5 Schritte, um alte Obstsorten für unsere Kinder zu erhalten

1.) Die Sortenbestimmung

Kannst du verschiedene Apfelsorten unterscheiden? Allein in Deutschland gibt es geschätzt 2000 verschiedene Apfelsorten. Nur sieben von ihnen landen regelmäßig im Supermarkt. Die restlichen Sorten stehen meist in privaten Gärten und gelangen in Vergessenheit.

Apfel.Birne.Pflaume. möchte das ändern! Wir laden regelmäßig erfahrene Pomologen (Obstsortenbestimmer) ein. Die Veranstaltungen sind öffentlich und jeder kann seine Sorten mitbringen und bestimmen lassen. Die nächsten Termine erfahrt ihr hier.

Für die Region um Gerswalde ist die Sortenbestimmung besonders wichtig. Johanna und Annegret vermuten hier viele alte Schätze, die in Vergessenheit geraten sind. Neben den Alleen aus Obstbäumen sind gerade die Bäume im privaten Garten von großer Bedeutung.

Dieser Schritt ist die Grundlage für den Obstsortenerhalt in Gerswalde und Umgebung.

Ich fand den Tag, an dem die Apfelsorten vom Apfelmann aus Zehdenick bestimmt wurden ziemlich gut. Für mich als Apfelfan dauert die 13 Kilometer lange Strecke vom Bahnhof zum Stein-Häger-Hof mit dem Rad auch mal 3 Stunden. Ich kann dort nicht ohne Testen an einem Apfelbaum vorbeifahren. Es super spannend zu erfahren, wie vielseitig die Vielfalt der Sorten in der Uckermark ist. Der Apfelmann war ein lustiger Typ. Er hatte die Gesellschaft schnell in seinen Bann gezogen. Wir standen in einer großen Gruppe um den Tisch und haben zugehört, probiert, gelernt, gestaunt und gelacht. Herrliche Erinnerung.

Olaf

Olaf

Besucher des Apfeltages

2.) Die Kartierung

Nachdem die Sorten bestimmt sind, geht es nun an die Kartierung. Auf einer Karte der Gemeinde Gerswalde werden alle seltenen Sorten erfasst. Diese Arbeit zeigt deutlich, ob und wo es tolle Sorten gibt. (Und ob vielleicht sogar der eigene Nachbar eine besondere Birne hat.)

Durch die Erfassung kommen viele verschiedene Menschen in der Gemeinde zusammen. Das gemeinsame Interesse der Obstsortenvielfalt wird gestärkt. Bei Dorffesten oder beim Apfeltag auf dem Stein-Häger-Hof können Nachbarn in den Austausch kommen. Zusätzlich erweitern wir die Karte der Obstsorten.

3.) Die Baumpflege

Die Gemeinde Gerswalde hat großes Interesse an einer Zusammenarbeit. Johanna und Annegret wurden beauftragt die ersten Obstbaumalleen zu pflegen. In der Region gibt es viele alte Alleen mit Obstbäumen. Durch gekonnte Eingriffe wird die Baumgesundheit unterstützt und tote Äste werden entfernt. Die Folge sind ein kräftigerer Wuchs, eine reichere Ernte und ein längeres Leben für den einzelnen Baum.

Die Baumpflege ist die klassische Methode für den Obstsortenerhalt.

4.) Die Neupflanzung

Für den Erhalt alter Sorten ist es erforderlich neue Bäume zu pflanzen. Unser Projekt sucht passende Flächen für die Obstsorten. Wir arbeiten eng zusammen mit der Agroforstkampagne.

Bei einer gemeinsamen Pflanzaktion auf einem halben Hektar Ackerland pflanzten wir bereits 21 verschiedene Apfel- und Birnbäume. Das gemeinsame Pflanzen war für die freiwilligen Teilnehmer ein besonderer Anlass.

5.) Die Obstbaumschule

Für die erfolgreiche Erhaltung der alten Sorten ist eine Baumschule nötig. Von den alten Bäumen veredeln wir Reiser (einjährige Äste) auf passende Unterlagen (junge Obstbäume).

Unterlagen für Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume pflanzten wir bereits auf unseren Agroforstacker. Weitere sind auf dem Stein-Häger-Hof zu finden und warten auf alte Sorten für den Erhalt.

 

Fazit

Jetzt wisst ihr, wie wir alte Sorten in unserer Region erhalten.

Neupflanzungen, Apfeltage mit Pomologen und der Aufbau unserer Baumschule – das alles wird durch Spenden ermöglicht. Bei Pflanzaktionen freuen wir uns regelmäßig über das Engagement von Freiwilligen. Nur durch diese tatkräftige Unterstützung ist es möglich in 2 Tagen einen kompletten zu bepflanzen. Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar.

Das Projekt Apfel.Birne.Pflaume. beschäftigt sich zusammengefasst mit diesen 5 Bereichen:

  1. Die Sortenbestimmung – klären welche Sorten selten sind
  2. Die Kartierung – festhalten wo alte Bäume stehen
  3. Die Baumpflege – bestehende Obstalleen pflegen
  4. Die Neupflanzung – mehr neue Bäume pflanzen
  5. Die Obstbaumschule – regional alte Sorten vermehren

 

Du kommst aus der Nähe von Gerswalde? Lass deine Sorten bestimmen und schreib Johanna oder Annegret!

Solltest du von weiter weg kommen: es schadet nie einen weiteren Apfelbaum zu pflanzen 🙂 Jeder weitere Baum trägt zum Obstsortenerhalt bei.